
Aalborg kann sich glücklich preisen, denn ohne zu den eigentlichen Groβstädten zu gehören, verfügt die Stadt ab diesem Frühjahr über herausragende Bauwerke von zwei der gröβten Meister der Architektur des Nordens, dem Finnen Alvar Aalto und dem Dänen Jørn Utzon, der seine Kindheit in Aalborg verlebte. Sein neues Bauwerk erhält Aalborg zu einer Zeit, in der die kulturelle Identität der Stadt sich weitgehend ändert, u. a. durch einen markanten Einsatz für bahnbrechende Architektur und neue Erholungsgebiete.
Mit seiner Faszination von Mensch und Natur war Alvar Aalto einer der Pioniere, die weltweit Respekt und Bewunderung für nordische Architektur, Möbelproduktion und skandinavisches Design schufen. Aaltos berühmte Glasvase ist zur Ikone an sich geworden. Diese Vase zeigt seine universelle Begabung dafür, traditionelles Handwerk mit modernen, industriellen Techniken zu kombinieren. Gleichfalls spürt man seinen Respekt vor den Materialien der Natur und ist von seiner sinnlichen, organischen Formensprache beeindruckt.
Typisch für Aalto ist auch die Übereinstimmung zwischen seiner Architektur und dem Zusammenhang, in den seine Bauwerke eingehen. Dieser Zusammenhang ist häufig von den Landschaftsformen inspiriert. Aalto war gleichfalls von der Neuinterpretation klassischer architektonischer Elemente in modernen Gebäuden fasziniert. Dies kommt u. a. im Freilichtamphitheater neben Nordjyllands Kunstmuseum in Aalborg deutlich zum Ausdruck.
Die Rolle des Lichts in seiner Architektur
Nordjyllands Kunstmuseum ist eine kraftvolle, fast monumentale Erscheinung mit leichten Glaspartien, die sich auf einem Fundament von Marmor erheben. Diese Konstruktion bildet eine abstrakte Landschaft in perfekter Harmonie mit dem dahinterliegenden Abhang.
Schon wenn man das Gebäude betritt, spürt man Aaltos Faszination und den meisterlichen Sinn dafür, das Licht als architektonisches Element einzugliedern. Selbst an einem bewölkten Tag scheint das Licht in das Innere des Gebäudes hineinzuströmen, als wäre es von den geschwungenen, reflektierenden Formen angezogen. Diese Art der Formgebung mit dem natürlichen Licht sieht man gleichfalls in Jørn Utzons Formensprache, am deutlichsten im Design der "Spitzgatterhalle".
Als junger Architekt arbeitete Jørn Utzon eine kurze Zeit für Alvar Aalto in Helsinki. Es liegt auf der Hand, dass der finnische Lehrmeister einen bedeutenden Einfluss auf Jørn Utzons architektonische Ideale ausübte. Die Inspiration aus der Natur und die Faszination von architektonischen Elementen der Antike charakterisieren Jørn Utzons Formensprache während seiner ganzen Karriere.
Utzon und die Aalborger Werft
Ausgehend von der Inspiration durch Alvar Aalto entwickelte Jørn Utzon seine Visionen weiter, und diese haben in hohem Maβe dazu beigetragen, die nordische Architektur zu definieren. Eine weitere wesentliche Inspirationsquelle für Jørn Utzon war seine Erfahrung auf dem Gebiet des Schiffbaus in Aalborg.
Sein Vater Aage Utzon war Ingenieur auf der Werft der Stadt und auβerdem ein international anerkannter Bootsdesigner. Besondere Anerkennung fand sein Spitzgatterboot, das sich durch hohe Geschwindigkeit und markante Kurven auszeichnete. Jørn Utzons enge Zusammenarbeit mit dem Vater im Bootsdesign und der tägliche Anblick der groβen Schiffskörper im Trockendock der Aalborger Werft gaben dem jungen Architekten seine Formensprache und das Selbstvertrauen, das nötig war, um die riesigen, bootsähnlichen Dachkonstruktionen des Opernhauses in Sydney zu realisieren.
Utzons geniale Konstruktionen bei diesem Bauwerk verschafften ihm zusammen mit einer Reihe seiner übrigen Werke ständig wachsende internationale Anerkennung.
Auf Grund des steigenden Interesses für Utzons Architektur finden wir es natürlich, dass das Utzon Center an der Hafenfront seiner Heimatstadt gebaut wird, inmitten des maritimen Ambientes, das seine frühe Entwicklung inspirierte. Es ist Jørn Utzons ausgesprochener Wunsch, dass das Utzon Center kein Museum sein soll, sondern ein dynamischer, aktiver Drehpunkt für Architektur, Design und Kunst.
Neue Sehenswürdigkeit in Aalborg
Es ist selbstverständlich, dass das Center in Zusammenhang mit dem Institut für Architektur und Design an der Universität Aalborg etabliert wird. Ganz in Übereinstimmung mit Jørn Utzons humanistischem Zugang zur Architektur wurde das Utzon Center nicht als monumentales Gebäude entworfen, sondern als eine Serie von kleineren Pavillons um einen abgegrenzten Innenhof, in dem man im Schutz vor den Winden des Limfjords sitzen kann, an die sich Jørn Utzon seit seiner Kindheit erinnert.
Das Utzon Center ist nicht nur eine Attraktion für Besucher der neuen Hafenfront Aalborgs, sondern es wird wie das Opernhaus in Sydney mit dazu beitragen, die Identität der Stadt zu definieren. Und zusammen mit Alvar Aaltos Kunstmuseum wird es Aalborg einen festen Platz auf der internationalen architektonischen Szene verschaffen.
"Der tägliche Anblick der groβen Schiffskörper im Trockendock der Aalborger Werft gab Utzon seine Formensprache und das Selbstvertrauen, das nötig war, um die riesigen, bootsähnlichen Dachkonstruktionen des Opernhauses in Sydney zu realisieren".